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Bunt, klein und überall - Online

Hier findet ihr die Inhalte unserer Sonderausstellung Bunt, klein, überall. Mikroplastik - Vom Fluss ins Meer in digitaler Form.

Rundgang durch die Ausstellung im Maritimen Museum:


Bunt, klein, überall: Mikroplastik

Was ist das überhaupt?

Der Name allein erklärt schon viel: Es geht um Plastik und zwar in sehr kleiner Form. Als Mikroplastik werden Kunststoffpartikel bezeichnet, die kleiner als 5 Millimeter sind.

Plastik ist nicht gleich Plastik: Die Zusammensetzung ist ebenso vielfältig wie die Eigenschaften. Leichte Fasern für atmungsaktive Textilien, formbare Materialien für Getränkeflaschen, dehnbare Folien zur luftdichten Abdeckung von Lebensmitteln.

Unkaputtbar?

Bis auf ganz wenige Ausnahmen haben diese Kunststoffe etwas gemeinsam: Ihr großes Erfolgsrezept ist gleichzeitig ihr großer Nachteil – sie sind extrem robust – eben „unkaputtbar“.

Sie zersetzen sich nicht wie Holz oder Papier, sondern werden in immer kleinere Partikel zerrieben. Und so reichert sich einmal in die Umwelt gebrachtes Mikroplastik immer weiter an.


Wie kommt das ins Meer?

Über die Strände:

Weltweit gelangt viel Plastikmüll ins Meer, weil er unkontrolliert in Küstennähe abgelagert wird. Vom Strand aus ist der Weg ins Meer kurz. Wind und Wellen sorgen dafür, dass der Plastikmüll auf die offene See hinausgetragen wird. Auch Großveranstaltungen und Extremereignisse wie Sturmfluten können innerhalb kürzester Zeit zu massenhaftem Plastikeintrag führen.

Über Flüsse:

Flüsse transportieren Mikroplastik aus sehr vielen Quellen ins Meer. Eine Quelle sind die Haushalte: Dem Umweltbundesamt zufolge werden in Deutschland jährlich allein in Kosmetika und Reinigungsmitteln schätzungsweise mindestens 700 Tonnen an primären Mikroplastik eingesetzt.

Sekundäres Mikroplastik verlässt die Haushalte zum Beispiel über die Waschmaschine: Geht man davon aus, dass jeder der rund 80 Mio. Menschen in Deutschland nur einen Fleece-Pullover (rund 500 gr Gewicht) besitzt und dieser im Laufe von 5 Jahren rund 1 – 5 % seines Gewichtes beim Waschen verliert, so bedeutet das, dass jährlich 80 bis 400 Tonnen an Kunststoff-Fasern freigesetzt werden.
Sie gelangen über die Abwässer in unsere Klärwerke, können dort nur teilweise zurückgehalten werden und gelangen schließlich ins Meer. Solche Zahlen sind nur Schlaglichter auf das ganze Ausmaß der Belastung. Eine vollständige Bilanz ist bis heute noch nicht gelungen.

Über Schiffe:

Geraten Frachtschiffe in schwere See, können Transportcontainer über Bord gehen und die Ladung, zum Beispiel primäres Mikroplastik, gelangt ins Meer. Schiffe oder offshore-Bauwerke geben zudem auch sekundäres Mikroplastik ab: Im Laufe der Zeit blättert der Anstrich, mit dem sie vor Rost geschützt werden, ab. Diese Farbpartikel enthalten ebenfalls Kunststoffe.

Über die Luft:

Feines Mikroplastik kann wie natürlicher Staub über die Luft vom Wind transportiert werden. So werden zum Beispiel dünne Textilfasern oder trockener, auf der Straße liegender Reifenabrieb aufgewirbelt und erst bei nachlassendem Wind wieder abgelagert.


Wie viel Mikroplastik ist überhaupt im Meer?

Schwer zu sagen.
Alle Zahlen, die heutzutage verbreitet werden, sind Schätzungen, denn die Erfassung von Mikroplastik in der Umwelt ist sehr zeitaufwändig. Außerdem ist die Belastung der Umwelt mit Mikroplastik nicht überall gleich: Es gibt „hot spots“, aber auch Bereiche, an denen man kaum Mikroplastik findet.

Herkömmliche Methoden, um den Gehalt an Mikroplastik im Oberflächenwasser zu erfassen, nutzen Planktonnetze. Sie werden vom fahrenden Schiff aus durch das Wasser gezogen. Sie haben den Nachteil, dass sie oft verstopfen und meistens aus Kunststoffmaterialien erstellt sind, so dass schon bei der Beprobung eine Verunreinigung der Probe passieren kann.


Warum ist das schlimm?

Plastik verrottet nicht,

es zerfällt nur in immer kleinere Partikel: das Mikroplastik. Wenn wir die Zufuhr von Plastik in unsere Meere nicht stoppen, reichert sich dieses Material immer weiter an. Aber Plastik ist ein künstlicher Stoff, der im Meer nichts zu suchen hat. Meeresorganismen können Mikroplastik für Nahrung halten und sich so den Magen füllen, ohne dass ein Nährwert gegeben ist.

Schadstoffe werden aufgenommen!

Gleichzeitig können sie mit dem Mikroplastik auch Schadstoffe aufnehmen. Und das geht so:

- Kunststoffen werden oft Zusätze beigemischt, die ihre Eigenschaft verändern sollen. Beispiele sind Weichmacher, Farbstoffe oder Flammschutzmittel. Viele dieser Stoffe sind gesundheitsschädlich. Auch wenn der Kunststoff selbst sich nicht zersetzt, so gibt er doch diese Schadstoffe frei.

- Eine besondere Eigenschaft vieler Kunststoffe ist, dass ihre Oberfläche Wasser abweisend ist. Dadurch werden sie für viele Nutzungsformen attraktiv. Diese Eigenschaft hat aber gleichzeitig den Effekt, dass sich Schadstoffe leicht anlagern können. Mikroplastik im Meer nimmt auf diese Weise Schadstoffe aus dem Wasser auf und reichert sie an.

Auf die Oberfläche kommt es an!

Wenn aus einem großen viele kleine Partikel werden, vergrößert sich die Oberfläche insgesamt erheblich. Mikroplastik, das im Laufe der Zeit aus einem großen Stück Plastik entstanden ist, kann durch die Oberflächenvergrößerung bedeutend mehr Schadstoffe anlagern als das Ausgangsprodukt.


Wie bekommt man das Mikroplastik wieder heraus?

Uns bleiben nur zwei Möglichkeiten:

1. Wir brauchen Lösungen, um das, was bereits an großem Plastik in den Meeren treibt, abfischen zu können. Viele kreative Menschen arbeiten zurzeit an solchen Lösungen. Erst die nächsten Jahre werden zeigen, wie erfolgreich solche Anlagen sind. Wir dürfen uns nicht darauf verlassen, dass sie die Lösung des Problems sind!

2. Wir müssen verhindern, dass weiterhin Plastik in die Meere gerät! Nur dann schaffen wir es, die Meere langfristig wieder plastikfrei zu bekommen. Bis dahin eingetragene Stücke werden allmählich in kleinere Partikel zerfallen und schließlich auf dem Meeresboden landen, wo sie vergraben werden und irgendwann nicht mehr schädlich sind.


Wie kann ich das verhindern?

Weltweit gelten die drei „R“s als wichtigste Waffe gegen Plastik-Müll. Sie stehen für replace, reduce, reuse – also für: Reduzieren, Ersetzen, Recyclen.

Reduzieren

Plastik ist durch sein geringes Gewicht und seine Robustheit für viele Anwendungen wertvoll. Wir sollten seinen Einsatz auf die absolut notwendigen Fälle beschränken, in denen ein Ersatz durch andere Stoffe nicht möglich oder sinnvoll ist.

Ersetzen

Das alte Motto „Jute statt Plastik“ ist immer noch aktuell. Ob bei Textilien oder Getränkeflaschen: Natürliche Materialien können Kunststoffe ersetzen. Wenn wir Produkte mit unnötiger Einmalplastikverpackung liegen lassen und unverpackte Produkte vorziehen, beeinflussen wir den Markt.

Recyclen

Auch wenn wir in Deutschland bereits schon lange ein System zur Rückführung von Kunststoffen in die Produktion haben, so ist der Anteil an Plastik, der wirklich wieder als Rohstoff einsatzfähig ist, noch ausbaufähig. Störend sind zum Beispiel Kunststoff-Mischungen, Komposite oder Verbundmaterialien, die keine reine Sortierung zulassen, aber auch komplizierte Rückgabe-Systeme.

Neben diesen drei Hauptpfeilern der Reduzierung von Plastikmüll gibt es noch zahlreiche weitere „R“s, Beispiele sind:

Reparieren

Obwohl es uns heutzutage schwergemacht wird, kaputte Dinge wieder einsatzbereit zu machen, lohnt sich doch der Versuch. Kann ich es nicht selbst reparieren, gibt es vielleicht andere, die sich freudig der Sache annehmen.

Rückgewinnen

Wenn sonst nichts geht, steckt in Plastik ja immer noch Energie. Und die kann rückgewonnen werden – als Wärme und Strom.

Die Beschlüsse der Bundeskanzlerin und Ministerpräsident*innen zur Eindämmung der Corona-Pandemie haben auch Auswirkungen auf die Phänomenta.

Ab Montag, den 2. November bleibt die Phänomenta - für 4 Wochen - geschlossen.

Wir freuen uns, euch im Dezember wiederzusehen!